Theater-Atelier zu Christoph Hein "Passage"
mit François Dragon und Doris Harder
vom 23. August bis 2. September 2001 in Montrem (Südfrankreich)
Dieses Theater-Atelier richtete sich an SchauspielerInnen und Theaterinteressierte, die Lust hatten, sich mit dem Werk Christoph Heins intensiver auseinanderzusetzen. Christoph Hein, in den achtziger Jahren einer der herausragenden Autoren der deutschen Literatur der DDR und bekannt vor allem durch seine Novelle "Der fremde Freund" (1982), beschreibt in seinem 1987 uraufgeführten Theaterstück "Passage" die Flucht deutscher Juden und politischer Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus im Jahr 1941. Versteckt im Hinterzimmer eines südfranzösischen Cafés haben sie nur ein Ziel: über Spanien und Lissabon Amerika zu erreichen. Auch wenn Ort und Zeit präzise definiert sind, so ist die Situation der Enge und der Abhängigkeit doch universell und könnte auch in der Gegenwart angesiedelt sein.
Auf dem Programm dieses besonderen Theater-Ateliers des forums standen nach einem morgendlichen Aufwärmtraining zunächst Schauspielübungen, Stimmarbeit, Improvisationen und Spiele. Anschließend wurden zwei alternierende Gruppen gebildet, die jeweils Teilnehmer beider Nationen umfassten. Während die eine Hälfte der Teilnehmer unter Leitung des Schauspielers und Regisseurs François Dragon ausgewählte Szenen aus Heins "Passage" einstudierten, entwickelte die Regisseurin Doris Harder mit den anderen Teilnehmern eine Rahmenhandlung, die sich mit dem Werk "Passage" auseinandersetzte. Präsenz, Flexibilität, Selbstvertrauen, Vertrauen in andere und die Freiheit, jeder Situation zu begegnen waren wichtige Aspekte dieser Arbeit. Am Ende des Ateliers wurden beide Bereiche zusammengeführt und zu einem Stück verknüpft, das in einer öffentlichen Werkschau im kleinen Theatersaal von Montrem gezeigt wurde.
Künstlerische Leitung
Doris Harder (D)
ließ sich an der Schauspielschule Kiel als Schauspielerin ausbilden und absolvierte anschließend am Max-Reinhardt-Seminar in Wien ein Regie-Studium. Als Regisseurin und Regieassistentin wirkte sie bei diversen Film-, Theater- und Opernproduktionen mit, so beispielsweise in "Nicht Fisch Nicht Fleisch" von Franz Xaver Kroetz und "Spiel um Zeit" von Arthur Miller. 1990 gründete sie das Theater V.I.T.R.I.O.L. Ihre Inszenierungen von Stücken von Alan Ayckbourn, Wolf Biermann, H.-J. Schneider, Ernst Jandl und Arthur Schnitzler sowie ihre selbst geschriebenen Werke werden in Deutschland und Österreich, vor allem in Salzburg und Wien gespielt. Doris Harder hat zahlreiche Produktionen mit Jugendlichen und Schauspielstudenten geleitet und war als Lehrbeauftragte an der Theater- und Filmakademie Athanor tätig.
François Dragon (F)
ist ausgebildeter Schauspieler und stand unter anderem in Stücken von Shakespeare, Molière, Goldoni, Brecht, Camus und Queneau auf der Bühne. Für Kino- und Fernsehproduktionen spielte er unter der Regie von Bertrand Blier, René Allio und Charlotte Silveira. Seit 1987 inszeniert er in Zusammenarbeit mit der Maison des Ecrivains regelmäßig Theaterstücke zeitgenössischer Autoren. Mit seiner 1987 gegründeten Kompanie T.A.C.A. (Théâtre d’Art Contemporain en Action) produzierte er Werke von Robert Pouderou, Ödön von Horvath, Christoph Hein, Dario Fo, Arthur Schnitzler und Berthold Brecht. Neben seiner Arbeit als Regisseur leitet François Dragon in Paris und im Périgord Theaterkurse für junge Schauspieler.


