theater-atelier zum Thema Präsenz
mit Jörg Wenzler und Barbara Wolpert
vom 4. bis 16. August 1997 in Straßburg
Präsenz - für jeden Schauspieler eine wichtige, wenngleich oft ominöse Größe
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Was genau ist Präsenz?
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Woran erkennt man, ob ein Schauspieler über Präsenz verfügt?
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Kann man sie trainieren, und wenn ja, wie?
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Oder ist sie vielleicht doch nur eine Art "Schauspielermythos"?
Diese und andere Fragen zum Thema Präsenz waren Inhalt des Theater-Ateliers, das das forum im August 1997 in einem Schloss in der Nähe von Straßburg veranstaltete. Unter der Leitung des in Straßburg lebenden Regisseurs und Schauspielers Jörg Wenzler erforschten Teilnehmer aus Deutschland und Frankreich die unterschiedlichsten Ausdrucksmittel, die einem Schauspieler über die Sprache hinaus zur Verfügung stehen. Die Sprachbarriere wurde dabei als Chance begriffen, sich vom formalen Text zu lösen und sich somit den zu vermittelnden Inhalten konzentrierter zuwenden zu können. Dies geschah zum einen mit Hilfe eines täglichen Übungsprogramms, welches sich im wesentlichen am Trainingsmodell der amerikanischen Darstellerin und Theaterpädagogin Ruth Zaporah orientierte: Mit Hilfe einfacher, spielerischer Improvisationsübungen wurden die vielfältigen Möglichkeiten erkundet, die der menschliche Körper bietet und wie er sich als Ausdrucksmittel nutzen lässt. Zum anderen wurde an Texten gearbeitet, die die Teilnehmer vorbereitet hatten. Dabei war es unerheblich, ob es sich um Gedichte, kurze Prosatexte oder Monologe bzw. Szenen aus Theaterstücken handelte. Ziel war es, die jeweiligen Inhalte, Emotionen oder Zwischentöne den Zuhörern so zu vermitteln, dass sie auch von jemandem verstanden werden konnten, der eine andere Sprache sprach.
Ein dritter Schwerpunkt war schließlich die Arbeit am Abschlussprojekt. Ausgehend von der besonderen Lage des Seminarorts - das Château de Pourtalès liegt inmitten eines großen Parks, der direkt in den Fôret de la Robertsau übergeht - wurde die Beziehung des Schauspielers zu seiner Umgebung in die Arbeit mit einbezogen. Ausgehend von dieser Überlegung, dass alle Menschen innerhalb eines bestimmten Gesellschaftsmodells durch Erziehung, Verhaltensnormen usw. geprägt sind, versuchte während des Ateliers jeder Teilnehmer, diese Prägung in Frage zu stellen und sich in erster Linie zu seiner direkten Umgebung (Park, Wald, Gruppe) in Bezug zu setzen. Er gab sich im Rahmen des Projekts eine neue Geschichte und versuchte, Teil einer neuen Gesellschaftsstruktur zu werden. Denn diese Fähigkeit, sich bewusst innerhalb kurzer Zeit in eine neue fremde Realität zu versetzen und in ihr zu leben, ist Grundvoraussetzung für jeden Schauspieler. Sie hat nachhaltigen Einfluss auf seine Glaubwürdigkeit und damit auch auf die darstellerische Präsenz.
Die Arbeitsergebnisse wurden am Ende des Ateliers in einer öffentlichen Werkschau präsentiert, die am 15. August 1997 im Park des Château de Pourtalès stattfand: Die jungen Künstler präsentierten deutsch-französische Szenen, die sie zu einem "szenischen Spaziergang" verbanden, der das Publikum an verschiedene Orte des Parks Château de Pourtalès führte.
Künstlerische Leitung
Jörg Wenzler (D)
studierte Gesang/Musiktheater an der Hochschule der Künste Berlin und Schauspiel am Lee Strasberg Theater Institut in New York. Neben Mitwirkung an Theater- und Musiktheaterproduktionen, u.a. in Berlin, München, New York und Hong Kong führte er Regie bei zahlreichen Inszenierungen im In- und Ausland. Seit 1991 leitete er in Straßburg die Tanzschule Almost Famous Centre de Danse.
Barbara Wolpert (D)
studierte Kulturpädagogik mit Schwerpunkt Theater an der Universität Hildesheim. Nach mehreren Regieassistenzen arbeitete sie zum Zeitpunkt des Theater-Ateliers am Hamburger Schauspielhaus.


