Märchen in Bewegung
mit Fabrice Eveno und Maren Lipus
vom 23. März bis 3. April 2003
in Nantes
Nach dem trinationalen Zirkusatelier im Jahr 2000 realisierte das forum 2003 erneut ein deutsch-französisch-bulgarisches Projekt, diesmal in Kooperation mit der National Academy for Theatre and Film Arts Sofia (NATFIZ), dem französischen Mimen und Regisseur Fabrice Eveno sowie dem Centre Culturel Européen in Nantes. Im Rahmen des zehntägigen trinationalen Ateliers probten jeweils fünf junge professionelle Mimen und Schauspieler aus Deutschland, Frankreich und Bulgarien intensiv unter Leitung von Fabrice Eveno und erstellten eine Bewegungstheater-Produktion zum Thema "Märchen in Bewegung", die am Kursende im Rahmen des Festival du Théâtre Universitaire de Nantes aufgeführt wurde.
Die Teilnehmer entwickelten aus drei verschiedenen Versionen ein und desselben bekannten Märchens eine nonverbale Theateraufführung von hohem künstlerischen Niveau, in der die Eigenheiten jeder einzelnen Fassung berücksichtigt wurden. Das dahinter stehende pädagogische Ziel war es, den jungen Künstlern aus den drei Ländern mittels der gemeinsamen schauspielerischen Arbeit zu vergegenwärtigen, wie verschieden sich Märchen in den einzelnen Ländern präsentieren und welche Rückschlüsse sich hieraus auf kulturelle Unterschiede ziehen lassen. Parallel zu den Proben fand täglich eine zweistündige Sprachanimation unter der Leitung der Kulturpädagogin Maren Lipus statt. Dabei wurden einerseits - mit Hilfe bewährter Methoden der Sprachanimation - die Kenntnisse der Teilnehmer in der jeweiligen Fremdsprache verbessert; andererseits wurde der künstlerische Arbeitsprozess inhaltlich reflektiert: Warum wird ein und dasselbe Märchen in Deutschland, Frankreich und Bulgarien unterschiedlich wiedergegeben bzw. von Deutschen, Franzosen und Bulgaren unterschiedlich in Szene gesetzt? Wie lassen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Kultur und Tradition überhaupt festmachen und erklären, welche Unterschiede haben sich inzwischen verwischt und welche verstärkt, und wie gehen wir heute damit um?
Künstlerische Leitung
Fabrice Eveno (F)
absolvierte eine Pantomimen-Ausbildung an der Marcel-Marceau-Schule in Paris und studierte an der Kabuki-Schule in Tokio. Als Mime und Schauspieler hat er an zahlreichen Produktionen in Frankreich teilgenommen, bevor er 1994 für fünf Jahre nach Tel Aviv ging. Hier machte er sich einen Namen als Regisseur, gründete die Bewegungstheatertruppe Triptic und wirkte bei vielen Film- und Fernsehproduktionen mit. Seit seiner Rückkehr nach Frankreich unterrichtet Fabrice Eveno im In- und Ausland Bewegungstheater und hat unter anderem eine Produktion mit französischen und marokkanischen Schauspielern in Nantes und Marokko geleitet.
Fabrice Eveno steht seit 1994 mit dem deutsch-französischen forum junger kunst in Kontakt und leitet seit 1999 regelmäßig vom DFJW geförderte deutsch-französische Ateliers des forums. So war er 1999 Regisseur der forums-Produktion "Cinderella" (coproduziert vom Bayerischen Rundfunk), die mit deutschen, israelischen und französischen Mimen in Begleitung eines großen Orchesters auf die Bühne gebracht wurde. Im Jahr 2000 leitet er das Atelier "Stummfilm" sowie 2001 das Atelier "Der bewegte Körper im Schwarzlicht".
Maren Lipus (D)
studierte an der Universität Hildesheim und an der Universität Aix-en-Provence Kulturpädagogik mit den Schwerpunkten Literatur/auditive Kommunikation, Musik, Pädagogik und Soziologie und war im Rahmen des Studiums zwei Semester als Fremdsprachenassistentin in Dole (Frankreich) tätig. Von 1996 bis 1999 leitete sie das deutsch-französische forum junger kunst in Bayreuth und hat im Rahmen ihrer Tätigkeit zahlreiche bi- und trinationale Begegnungen junger Künstler pädagogisch und sprachlich geleitet. Auch außerhalb ihrer Tätigkeit beim forum hat sie immer wieder deutsch-französische Jugendgruppen betreut und sich 1995 in Wasserburg am Bodensee zur Jugendgruppenleiterin und in der Tandem-Methode ausbilden lassen. 1998 absolvierte sie einen Dolmetscher- und Animations-Lehrgang in Evian-les-Bains und 1999 bildete sie sich in Bulgerien bei der Marcel-Hicter-Fondation für das "Certificat Européen" u.a. im Bereich Kulturpolitik im europäischen Vergleich fort. Seit 2000 arbeitet Maren Lipus als Lektorin der Robert-Bosch-Stiftung für die Förderung der deutschen Sprache in Frankreich am Centre Culturel Franco-Allemand in Nantes.


